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Hast du auch den Kaffee auf?

von | 26. März 2021 | Alltagswahnsinn

Leere Kaffeetasse, daneben liegen Schnuller und eine Broschüre
Sind die Vielfach-Belastungen durch Berufstätigkeit, Kinderbetreuung und Homeschooling wirklich die Ursache für diesen Erschöpfungszustand? Foto: Susanne Beimann

Dauermüde, gestresst und genervt…

Ich weiß ja nicht, wie es dir geht. Aber obwohl sich seit der Corona-Pandemie der Freizeitstress  annähernd auf Null reduziert hat, bin ich trotzdem nicht weniger müde, gestresst oder gereizt. Eher im Gegenteil. 

Aber woher kommt das eigentlich?

Damit du einen Vergleich hast, muss ich dir zunächst erzählen, wie unser Familienleben vor Pandemiebeginn ausgesehen hat: Mein Mann im Vollzeitjob, von montags bis donnerstags beim Arbeitgeber vor Ort. Fahrzeit pro Strecke ungefähr 40 Minuten. Plus ein paar Überstunden und Mittagspause kam er auf mindestens 11 – 12 Stunden Abwesenheit am Tag. Freitags Homeoffice. Zusätzlich erledigt er auf dem Weg nach Hause noch eben den Wocheneinkauf – dank App-Synchronisation kann ich ihm schnell noch die fehlenden Sachen auf die Einkaufsliste setzen. Dazu übernahm er mindestens ein Mal pro Woche noch die „Mama-Taxi-Tour“ zum Musikunterricht vom Sohn.

Nach der Erziehungszeit und jahrelangem Homeoffice unternahm ich im März 2020 meinen ersten Mini-Ausflug zurück ins „echte Arbeitsleben“ als Angestellte im aushäusigen Büro. 3 x 5 Stunden, davon 2 Tage vor Ort (Fahrtzeit insgesamt ca. 1 Stunde pro Tag) und einen zu Hause im Homeoffice. Tochterkind war glückliches OGS-Kind, Sohn im Gymnasium ohne Ganztag.

Zusätzlich fielen der sonstige Haushalt (also Kochen, Putzen, Wäsche), die Morgens- und Mittagsspaziergänge mit dem Hund und das Mama-Taxi für Töchterlein von OGS zu Spielverabredungen, Sportverein und Musikunterricht regelmäßig in mein Aufgabengebiet.

Man könnte meinen, dass sich das alles recht strukturiert und machbar anhört, aber durch den zum Teil engen Zeitplan der Aktivitäten untereinander, lief ich gefühlt den ganzen Tag wie ein Duracell-Häschen. Die Arbeit im Büro war für mich tatsächlich die entspannteste Zeit am Tag.

Dann kam der Lockdown. Und das Aufatmen.

Trotz des Homeschoolings, das meine Kinder die meiste Zeit wirklich gut mitgemacht haben, war es für uns ein bisschen wie Ferien. Plötzlich waren alle Freizeitaktivitäten gestoppt. Dass wir beide direkt im Homeoffice arbeiteten, war für uns nicht schwierig – durch eine frühere langjährige Selbständigkeit verfügten wir über ein voll ausgestattetes Büro mit ausreichendem Platz für zwei vollwertige Arbeitsplätze und auch einen gewissen Workflow. Auch die Fahrtzeiten zum Arbeitsplatz fielen weg. Eigentlich haben wir seitdem viel mehr Zeit als vorher. Wieso dann dieses Gefühl von Stress, Erschöpfung und Gereiztheit?

Ist die Vielfach-Belastung durch Berufstätigkeit, Haushalt und Homeschooling wirklich die Ursache für diesen Erschöpfungszustand?

Jein. Was mich wirklich schlaucht, sind die fehlenden kleinen „Ruheinseln“ in meinem Alltag. Ein bisschen Alleinsein, ohne dass jemand etwas von mir will – zum Klavierspielen, Lesen oder Basteln. Die wöchentliche Chorprobe. Die Tasse Kaffee mit meiner Mutter am Nachmittag. Das Essengehen mit einer Freundin in einem Restaurant oder das Spielen und Toben mit meinen Nichten und Neffen. Gleichzeitig sehe ich die Bedürfnisse vor allem meiner Tochter nach gemeinsamer Zeit zum Spielen oder anderen Aktivitäten – und mein schlechtes Gewissen, dass ich ihr diese Zeit manchmal einfach auch nicht geben möchte, weil ich sie für mich brauche. Irgendwie haben wir uns arrangiert – uns eine Struktur, einen Rohbau geschaffen für unser Leben in Kontaktarmut.

Und dann kommt das Erdbeben. Eine neue MPK oder Beschlüsse des Schulministeriums.

Ich bin der Ansicht, dass wir – sofern wir selbst keine besseren Ideen haben – die aktuelle Situation und die Corona-Regeln einfach nur mittragen können. Ganz ehrlich? Diesen Sch***-Job, für mehr als 80 Millionen Menschen entscheiden zu müssen, wie mit dieser Situation zu verfahren ist, würde ich nicht haben wollen.

Aber ich hätte gerne das Recht dazu, zu entscheiden, wie wir unser eigenes Leben in Übereinstimmung mit dem gelten „Rahmenprogramm“ für uns so gut gestalten können, dass uns das Dach nicht über dem Kopf zusammenstürzt. Ich möchte entscheiden, welchen gesundheitlichen Risiken ich meine Kinder durch den Schulbesuch vor Ort aussetze – oder auch nicht.

Ich sehne mich vor allem nach Ruhe, Frieden und Kontinuität. Für mich und meine Familie.

Was würde dir dabei helfen, die Zeit der Pandemie besser durchzustehen?

Was suchst du?

Es schreibt

Sabine

Sabine ist seit fast 10 Jahren für die Mütterzentren in NRW aktiv. Mit ihrer Familie lebt sie in der Nähe von Düsseldorf. Nicht nur die völlig unterschiedlichen Bedürfnisse ihrer Kinder fordern einen Spagat, sondern auch ihre Rolle als Teilzeit- und freiberuflich Tätige im Homeoffice.

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